Gleich die erste Rezension eine Täuschung!
Inzwischen ist eine erste Rezension der Täuschwirtschaft bei Amazon erschienen. Auf den ersten Blick sollte sich der Autor freuen. Fünf Sterne und folgende Bilanz:
“Dies ist ein intelligent geschriebenes Finanzbuch. Ein hervorragender Blick ohne Scheuklappen. Ein Autor, der sich traut, gegen den Strom gängiger Meinungen zu schwimmen und neue Einsichten ungeschönt und klar auf den Punkt zu bringen. Für Menschen mit Mut und Freude am deutlichen Wort: eine Bereicherung!”
Wie heißt es? Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Doch der Gaul lahmt und krankt. Besonders fällt der Satz auf, der Autor würde fordern, Wirtschaft solle ein Schulfach werden und fordere dazu auf, “ein Regelwerk wirksamer Ethik” zu schaffen. Beides steht an keiner Stelle im Buch. Im Gegenteil: Mit Berufung auf Michael Schmidt-Salomon (“Jenseits von Gut und Böse”) vermutet der Autor, es gäbe keinen freien Willen, also auch keine Grundlage für moralisches Verhalten. Das ist harter Tobak. Die Rezensentin mit dem Namen Franziska Steinbach-Schlüter hat also die Kapitel “Warum Wirtschaft kein Schulfach ist” (nämlich weil sie keinem Regelwerk folgt!) ebensowenig gelesen wie das Kapital “Fazit: Klüger rechnen ist keine Moralfrage”.
Warum lobt jemand ein Buch, das er kaum gelesen haben kann? Und wer ist die Rezensentin, die angeblich in Aix-en-Provence lebt? Finanz- und Krisenbücher sind klassische Männerware. Es sind Männer meines Alters (51), die sich für Enthüllungen und Hintergründe aus Politik und Wirtschaft interessieren. Frau Steinbach-Schlüter hat in kurzer Zeit 9 Finanzbücher verschlungen. Was verbindet die 9 Rezensionen?
- Sie haben alle die Höchstzahl 5 Sterne vergeben.
- 6 der 9 Bücher stammen aus der gleichen Verlagsgruppe.
- Keine der Rezensionen enthält Zitate oder nimmt Diskussionsstränge der Bücher auf. Sie lesen sich wie Inhaltsangaben aus der Mittelschule und enden mit dem Autorenlob.
Diese Gemeinsamkeiten machen neugierig. Sie erwecken den detektivischen Ehrgeiz des gelernten Täuschwirts.
Wer ist die kluge Dame, die seit Januar 2010 reihenweise Wirtschaftsliteratur verschlingt? Eine Foristin oder Bloggerin? Eine Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung oder Redaktion? Eine VWL-Studentin? Die Wahrheit kennt Google.
Wir nehmen erstaunt zur Kenntnis, dass Frau Steinbach-Schlüter außerhalb ihrer Rezensionen noch nie das Internet benützt, noch nie gepostet oder gar veröffentlich hat, nirgendwo je Mitarbeiterin oder sonstwie unter diesem Namen aktiv war.
Das wäre vielleicht bei einer Rezensentin von exotischer Literatur möglich, nicht aber bei einer Fachfrau für Wirtschaftsliteratur, nicht einmal bei einem Pseudonym, das doch ganz besonders nach Veröffentlichung drängt.
Frau Steinbach-Schlüter ist also eine Fiktion. Eine Täuschung.
Sie hätte nur keinen Autor rezensieren dürfen, der sich professionell mit der Aufdeckung von Täuschwirtschaft beschäftigt.
Tags: Amazon, Franziska Steinbach-Schlüter, Jenseits von Gut und Böse, Michael Schmidt-Salomon


August 6th, 2010 at 11:51
[...] es mit dem Gemeingüter-Kapitalismus auf sich hat, sollte das Buch lesen und darf uns dann gern eine echte Rezension schicken. (Der Text unter dem Link ist [...]